Sie kennen die Modelle vom Kommunikationsquadrat und inneren Team. Jeder kennt sie. Nun gibt ihr Erfinder Friedemann Schulz von Thun Einblick in ihre Entstehung, ihren Nutzen und ihre Grenzen. Eine Buchvorstellung.

 

Kommunikationsmodelle Friedemann Schulz von Thun

Kommunikationsmodelle. Mit freundlicher Genehmigung durch Friedemann Schulz von Thun

 

Kommunikation bestimmt die Qualität unseres Lebens. Niemand hat das Bewusstsein dafür so sehr sensibilisiert wie der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun. Und niemand hat die Zusammenhänge der Sprachpsychologie so einleuchtend verpackt. Inneres Team, Teufelskreis oder 4-Ohren-Prinzip sind Wörter, bei denen es Klick macht im Kopf.

 

Worum geht es?

In seinem jüngsten Buch schlägt Friedemann Schulz von Thun neue Wege ein. Im Dialog mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen erörtert er die Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens – ganz im Sinne des Wortes Kommunikation: etwas gemeinsam tun.

Friedemann Schulz von Thun
Bernhard_Poerksen

 

Was bringt es?

Eines gleich vorweg: Kommunikation als Lebenskunst ist keine Strandlektüre. Denn dieses Buch geht in die Tiefe und schlägt weite Bögen:

Es handelt in Teil 1 von der Entstehungsgeschichte des Kommunikations- und Wertequadrats, der Metapher vom Inneren Team und dem Situationsmodell. Der Blick hinter die Kulissen zeigt: Was heute so einfach aussieht, erforderte einen Abschied von abstrakten Fachbegriffen. Dies kostete durchaus Reputation in der Wissenschaft, wo, so Bernhard Pörksen, „das gefällige und verständliche Schreiben nicht eben angesehen ist“ (S. 46)

Es geht in Teil 2 um die konkreten Fragen der Anwendung. Wie lassen sich die einzelnen Modelle der Sprachpsychologie einsetzen, zum Beispiel für die Teamentwicklung oder die Konfliktanalyse? Führungskräfte und Pädagogen bekommen hier Anregungen, mit Widersprüchen umzugehen und Klarheit über die eigene Rolle zu gewinnen.

Und es endet in Teil 3 mit der Frage: Welche Haltung ist dem Tod gegenüber erstrebenswert? Wie kommen wir damit klar, dass wir endlich sind? Wenn Pörksen und Schulz von Thun über die Gratwanderung zwischen Selbstbestimmung und Schicksalsdemut diskutieren, wird klar: die Modelle der Kommunikation liefern keine Instant-Lösungen. Sie sind Reflexionswerkzeuge, das Leben im Einklang mit sich und anderen zu führen – „gedankliche Geländer“, wie Pörksen es formuliert.

 

Meine Empfehlung

Ein lohnendes Buch für Selberdenker, die gern tiefer in die Sprachpsychologie einsteigen. Und es spannend finden, zwei Kommunikationsforscher beim Verfertigen der Gedanken zu beobachten.

 

Charakteristischer Satz

„Der Mensch ist doch, unabhängig von der Begeisterung für logische Strenge und die Orientierung an nur einem einzigen Paradigma, immer beides: biologisch und geistig, erdverbunden und himmelnah, abhängig und autonom, Subjekt und Objekt, determiniert und frei. Es ist diese dialektische Gleichzeitigkeit des Verschiedenen, die mich inspiriert, die mir aufregend erscheint“. (Seite 64)

 

Kommunikation als Lebenskunst
Bernhard Pörksen
Friedemann Schulz von Thun
Kommunikation als Lebenskunst
Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens
Carl-Auer Verlag Heidelberg
217 Seiten. ISBN 978-3-8497-0049-2